Mit der Wandlung unseres Gesundheitswesens zu einem ortsungebundenen Konstrukt, das auf Einfachheit, Transparenz und Zugänglichkeit setzt, ist für die hiesige Bevölkerung viel getan. Natürlich wird es immer Raum für Verbesserungen geben, doch haben wir alleine in den vergangenen sechs Monaten mehr Fortschritte gemacht, als wir es unter normalen Umständen in den nächsten zwei Jahren gemacht hätten.
Doch was bedeutet die Digitalisierung unserer Gesundheitsinfrastruktur für den Medizintourismus?
Kein barrierefreier Zugang zum deutschen Gesundheitswesen
Ausländische Patienten haben, im Gegensatz zu inländischen Patienten, keinen barrierefreien Zugang zum deutschen Gesundheitswesen. Dies wurde in der Vergangenheit immer wieder aus wissenschaftlicher und jüngst auch juristischer Perspektive festgestellt. Entsprechend wirkt sich die Digitalisierung unseres Gesundheitswesens auch anders auf ausländische Patienten aus. Wo für die inländische Bevölkerung der Zugang verbessert, vereinfacht und gebündelt wird, schafft die Digitalisierung für ausländische Patienten eine neue Art des Zugangs und oftmals die erste Möglichkeit, direkt mit den medizinischen Leistungsträgern in Kontakt zu treten.
Mehr Transparenz durch einen Direct Provider Approach
Ein Direct Provider Approach ist dadurch charakterisiert, dass Gesundheitsdienstleister ihr Leistungsangebot unmittelbar anbieten. So sind sie, auch wenn durch fremde Technologien gestützt, für den Marktauftritt, Preisgestaltung und Dokumentation selbst verantwortlich. Am Beispiel einer Plattform für Telemedizin wäre von der Profilerstellung über die Beschreibung bis zur Preisgestaltung hinaus der Arzt oder das Krankenhaus zumindest Inhaltsverantwortlicher. Durch die Autonomie der Gesundheitsdienstleister in der Gestaltung ihres Auftrittes und einer detaillierten Aufschlüsselung der Kosten für eine Telekonsultation wird ein Level an Transparenz geschaffen, das es in den üblichen Konstellationen des Medizintourismus nicht gibt.
Vermeidung einer unlauteren Zuführung durch mehr Patientenautonomie
Denken wir obiges Beispiel fort, würde ein Patient aus dem Ausland sich den Arzt nun auf der Plattform selber aussuchen. Ohne jegliche Assistenz des Patienten ist dies aber oftmals nicht zielführend. Inländische Patienten wissen anhand der Überweisung durch ihren Hausarzt genau, um welchen Fachbereich sie sich bemühen müssen.
Eine Chance sehe ich hier in der Einbindung von KI, die anhand eines Chats und Auswertung der Arztbriefe die adäquaten Dienstleister vorstellt. So kann eine von KI gestützte Auswahl von Experten auch als präventive Compliance-Maßnahme zur Vermeidung einer Patientenzuweisung aus sachfremden Gründen dienen.
Entlastung des hiesigen Gesundheitssystems durch Telemedizin
Unnötige Anreisen zu medizintouristischen Zwecken vorzubeugen ist auf allen Ebenen eine Win-Win-Situation. Es ist in vielen Ländern der Golfregion zu einem Running Gag geworden, dass sich Landsleute für harmlose Leiden auf Staatskosten mehrwöchig zu gesundheitstouristischen Zwecken in Europa aufhalten.
Die Digitalisierung unseres Gesundheitswesens wird auch den internationalen Medizintourismus verändern. Ich bin zuversichtlich, dass die richtige Implementierung neuer Technologien für einen transparenteren, stabileren und stakeholderfreundlicheren Markt sorgen wird.