Es lässt sich nicht leugnen, dass der Medizintourismus eine wachsende Branche ist. Millionen von Menschen weltweit reisen ins Ausland, um medizinische Versorgung zu erhalten. Ob in den sozialen Medien oder im übrigen Internet: Tausende von Krankenhäusern und Patientenvermittlern umwerben Patienten mit ihren Anzeigen für das "beste Krankenhaus für XYZ".

In einem solchen Umfeld und angesichts des zu erwartenden künftigen Wachstums der Branche ist es entscheidend, Patienten über die Risiken aufzuklären, die mit Medizintourismus und Behandlungen im Ausland verbunden sind.

Hier sind 4 häufige Risiken des Medizintourismus

1. Versorgungsqualität im Medizintourismus

Die Versorgungsqualität hat zwei Seiten. Die erste ist recht offensichtlich: Wie können Patienten die Qualität eines ausländischen Leistungserbringers (oder sogar eines inländischen) beurteilen, ohne ein fundiertes Verständnis des Gesundheitswesens und der üblicherweise verwendeten Key Performance Indicators (KPIs) zu haben?

Und selbst wenn Patienten wüssten, wie sie die Informationen beurteilen sollen, sofern diese überhaupt bereitgestellt werden: Wie können sie sicher sein, dass diese wahrheitsgemäß sind?

Natürlich könnte man sich an einer Akkreditierung orientieren, doch unabhängig davon, ob dies ein verlässlicher Maßstab ist, sind die meisten Krankenhäuser, die internationale Patienten aufsuchen, von keiner anerkannten internationalen Institution akkreditiert.

2. Reisen erhöht das Infektionsrisiko

Wenn Patienten für Gesundheitsleistungen reisen, sind sie Krankheitserregern ausgesetzt, die sich von denen unterscheiden, denen sie normalerweise ausgesetzt wären. In anderen Ländern gibt es andere Bakterien und Viren, auf die man achten muss.

Zudem kann das Risiko einer Krankenhausinfektion, insbesondere mit antibiotikaresistenten Bakterien, in anderen Ländern aufgrund möglicherweise geringerer Krankenhaushygiene höher sein. Die regulatorischen Standards für die Infektionskontrolle unterscheiden sich stark zwischen den Rechtsordnungen, was eine vorherige Beurteilung erschwert.

3. Die Kontinuität der Versorgung ist bei medizinischen Reisen nach wie vor ein Problem

Selbst wenn ein geeigneter und qualifizierter Leistungserbringer gefunden und die Behandlung erfolgreich durchgeführt wurde, ist in den meisten Fällen eine Nachsorge erforderlich. Patienten stoßen regelmäßig auf zahlreiche Probleme hinsichtlich der Fortsetzung ihrer Behandlung. Erstens: Wer übernimmt die Kosten, wenn der Patient in sein Heimatland zurückkehrt und eine postoperative Versorgung benötigt? Werden die inländischen Versicherungsprogramme die Kosten für eine im Ausland begonnene Behandlung übernehmen? Werden inländische Leistungserbringer sich wohl dabei fühlen, einen Fall zu behandeln, der bis zu diesem Zeitpunkt auf eine Weise behandelt wurde, die von ihrer üblichen Praxis abweicht?

Selbst wenn keine invasiven Eingriffe erforderlich sind, gibt es potenzielle Fallstricke bei der Medikation. Wer garantiert, dass das verschriebene Medikament im Wohnsitzland des Patienten verfügbar ist? Wie erhält der Patient es dort, wenn ein Rezept erforderlich ist? Die Probleme reichen darüber hinaus, doch spätestens an diesem Punkt sollte klar sein, dass die Kontinuität der Versorgung im Medizintourismus nicht ausreichend berücksichtigt wird.

4. Die Kostenübernahme bleibt problematisch

Kostenvoranschläge im Medizintourismus werden in der Regel nur unter begrenzter Berücksichtigung möglicher Nebenkosten kalkuliert, die aus einem breiteren Behandlungsspektrum entstehen, als ursprünglich angenommen. Was passiert, wenn ein Patient mehr Versorgung benötigt als zuvor angenommen, ist unklar. In einigen Rechtsordnungen ist nicht sichergestellt, dass ein Krankenhaus die Versorgung fortsetzt, solange die Kostenübernahme nicht geklärt ist. Darüber hinaus gibt es viele Fälle, in denen Patienten von Medizintourismus-Aktivitäten zurückkehrten und Versicherungsunternehmen sich weigerten, die Rechnung für die Komplikationen zu übernehmen, die als Folge ihrer Reise entstanden.

Wie geht man mit den Risiken um, die der Medizintourismus mit sich bringt?

Man kann mit Sicherheit sagen, dass beim Medizintourismus nicht alles so großartig ist, wie es oft beworben wird. Patienten bewegen sich durch diese Risiken mit eingeschränktem Überblick und ohne Unterstützung; daher ist es unerlässlich, sich dieser Risiken überhaupt bewusst zu sein und jedes verfügbare Mittel zu nutzen, um sie zu mindern. Eine Möglichkeit besteht darin, einen inländischen Leistungserbringer einzubeziehen, der die vom ausländischen Krankenhaus bereitgestellten Informationen auf Plausibilität prüft.